Empfehlungen - persönliche Lesetipps

Alain Claude Sulzer; Die Jugend ist ein fremdes Land

Erinnerungen an eine Kindheit in Basel. Erinnerungen an Willisauer Ringli, Trudi Gerster oder
SJW-Heftli. Claude Alain Sulzer erzählt präzise und mit viel Wärme von den Freuden und Leiden
eines Heranwachsenden in den 60er- und 70er- Jahren.

Galiani  Fr. 27.90

Ayelet Gundar-Goshen, Lügnerin

Von überraschender Aktualität ist dieser dritte Roman der israelischen Schriftstellerin: Eine unbedachte Lüge, die ein Eigenleben entwickelt, katapultiert die Aussenseiterin Nuphar unerwartet ins Zentrum des Interesses. Sie bezichtigt einen abgehalfterten Singstar des sexistischen Übergriffes -- eine Lüge, die ihr von Passanten nach einem verbalen Angriff sozusagen in den Mund gelegt wird. Und plötzlich fügt sich eins ans andere: Als "Opfer" wird sie über Nacht zum medialen Dauerbrenner und avanciert dadurch auch auf dem Pausenplatz zur Mitschülerin, um die alle buhlen. Für Nuphar wird es deshalb zunehmend unmöglich, ihre Lügengeschichte doch noch zu gestehen. Doch da taucht der Nachbarsjunge auf, der alles beobachtet hat und Nuphar mit seinem Wissen erpresst.

Gundar Goshen verfügt über eine scharfte Beobachtungsgabe. Eloquent und sprachlich virtuos erspürt sie, wie ihre Protagonistin langsam Geschmack an der Manipulation der Wirklichkeit findet. Und lässt den Leser schliesslich mit moralischen Fragen zurück.

Kein & Aber
Fr. 31.00

Sonja Heiss, Rimini

In dieser Familie ist so ziemlich alles und jeder dysfunktional. Da ist mal Vater Alexander, der seit seiner Pensionierung keinen Schritt ohne seine geliebte Barbara mehr wagt. Barbara ihrerseits rettet sich durch geheime kleine Fluchten vor der Klette und  wird durch einen kränkelnden Wellensittich ersetzt. Sohn Hans bringts in der Kanzlei nicht mehr, seine Frau hat die Schnauze voll von der Ehe. Masha schliesslich, die Schwester von Hans, sucht verzweifelt nach einem potenziellen Vater für ihr potenzielles Kind. Eine attraktive Psychoanalytikerin und ein düsteres Familiengeheimnis bringen die Familienfeste schliesslich endgültig ins Wanken.

Der Roman vonRegisseurin Heiss ist herrlich süffig zu lesen und genau das Richtige für die trübe, dunkle Jahreszeit.

Kiepenheuer & Witsch
Fr. 27.90

Raether, Till; Neunauge

Adam Danowski, der hochsensible Kommissar, ermittelt diesmal
im Schulmilieu. In diversen Kellern von Schulhäusern werden mumifizierte
Leichen gefunden. Ein schwerer Fall für Danowski, weil seine Kollegin Meta
mit einem der Toten liiert war. Darüber sprechen möchte sie allerdings nicht.

Rowohlt

Sfr. 21.50

England, 1881. Zwei bedeutende Männer leben nur wenige Meilen voneinander entfernt: Charles Darwin in einem Pfarrhaus in Kent und Karl Marx mitten in London. Beide haben mit ihren Werken, der eine zur Evolution, der andere zur Revolution, die Welt für immer verändert. Beide wissen es und sind stolz darauf. Und doch sind sie schlaflos und melancholisch. Darwin hat den Schöpfer abgeschafft, fühlt sich missverstanden und forscht inzwischen still am Regenwurm. Marx grollt der Welt, wartet ungeduldig auf ein mutiges Proletariat, das den Kapitalismus hinwegfegt, verzettelt sich beim Schreiben und kommt über Band 1 des 'Kapitals' nicht hinaus. Eines Abends begegnen sich die beiden bei einem Dinner zum ersten Mal. Schnell kreist ihre Diskussion um Gott und Gerechtigkeit — doch unausweichlich kommt es zum Streit, und der Abend endet in einem Eklat. Dennoch haben der großbürgerliche Naturforscher und der ewig klamme Revolutionär mehr gemeinsam, als sie sich eingestehen wollen. In ihrem wunderbaren Roman verbindet Ilona Jerger Fabulierlust mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Erkenntnissen, die den Weltenlauf maßgeblich beeinflusst haben. Ein warmherziges und humorvolles Porträt zweier großer Männer, deren Disput zeitgemäßer nicht sein könnte.

Ullstein Verlag

sfr. 27.90

 

Schon bei der Anmeldung ist es Pekka Kirnuvaara aufgefallen: Sein neuer Zahnarzt trägt denselben ungewöhnlichen Nachnamen wie er. Und dann hat er praktisch die gleiche Nase. Auf Pekkas bohrende Fragen nach Herkunft und Familie antwortet Esko seinerseits mit unablässigem Bohren. Erst kurz vor Ende der Behandlung gibt er endlich zu, dass sie Halbbrüder sein müssen – und willigt ein, mit Pekka nach dem gemeinsamen Vater zu suchen. Auf ihrer Reise finden sie weitere Halbgeschwister; ihr Erzeuger hat eine Spur von Nachkommen durch die halbe Welt gelegt. Eine originelle Komödie aus Finnland über Herkunft, Identität und Vorurteile – und dazu die schönste Geschwistergeschichte südlich des Polarkreises.

Verlag Nagel & Kimche

sfr. 26.90

Krügel, Mareike; Sieh mich an

Die Ich-Erzählerin Katharina will alles etwas ruhiger angehen.
Und sich endlich bei ihrer Gynäkologin anmelden, weil sie ein Etwas in ihrer
Brust entdeckt hat.
Fast atemlos habe ich dieses Buch durchgelesen. Mareike Krügel hat
einen ganz eigenen Schreibstil.
Es ist ein gescheiter, tiefgründiger Roman mit Humor.

Piper

sFr. 26.90

Segal, Francesca; Ein sonderbares Alter

Eine Patchworkfamilie, die sich zusammenraufen muss.
Julia und James verlieben sich ineinander, aber ihre Kinder im Teenageralter sind
wenig begeistert. Sehr unterhaltend und mit psychologischem Hintergrund erzählt.

Kein & Aber

sFr. 28.--

 

 

Mariana Leky, Was man von hier aus sehen kann

Ein persönlicher Favorit im 2017: Selma ist die Seele eines kleinen Westerwälder Dorfes. Wer Sorgen und Kummer hat, wendet sich vertrauensvoll an sie. Doch Selma hat überdies eine weitaus ungewöhnlichere Gabe: Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird.
In diesem berührenden, originellen Roman geht es aber keineswegs um Aussersinnliches, sondern vielmehr um die Ängste und heimlichen Sehnsüchte der Bewohner. Verstecktes tritt zutage, das Herz liegt auf der Zunge -- denn wer weiss, ob das Okapi in Selmas Träumen tatsächlich einen Dorfbewohner das Leben kosten wird.
Lekys Charaktere sind einzigartig, liebenswert und unvergesslich.

Dumont 

Fr. 28.90